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Appetit auf Zukunft: 2. food club von Air Liquide und Schülke

Foto: Dr. Maren Grütters, Jochen Goos, Ansgar Rinklake, Prof. Dr. Frederike Reimold, Dr. Gero Beckmann, Michael Mohr, Andreas Voss, Prof. Dr. Andreas Syska (von links nach rechts)

Nach der erfolgreichen Premiere des food club im Herbst 2016 luden der französische Gaseproduzent Air Liquide und sein Tochterunternehmen schülke vom 20. bis 21. September zur zweiten Edition der Netzwerktagung ein. Im Industriedenkmal Gasometer sowie im Technologiezentrum Umweltschutz in Oberhausen kamen Vertreter aus Industrie und Forschung zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Branche auszutauschen. Im Fokus des Expertenforums der Lebensmittel- und Getränkeindustrie stand dieses Mal der „Appetit auf Zukunft“. Referenten und Teilnehmer suchten gemeinsam nach Antworten auf die Frage „Was Kunden morgen wollen und wie die Digitalisierung dabei hilft“.

 

Big Data und Co. verändern die Lebensmittelindustrie

Geht nicht, gibt’s nicht. In Zeiten der Digitalisierung scheint nichts mehr unmöglich, kein Gedanke undenkbar. Kunden fordern zu Recht die größtmögliche Transparenz der Industrie, Entscheidungsgrundlagen sind einem ständigen Wandel unterworfen und in rasantem Tempo kommen neue Herausforderungen auf die Lebensmittelindustrie zu. Der diesjährige food club griff genau diese Tendenzen auf und gab Denkanstöße für mögliche Lösungsansätze. In Oberhausen wurde über die Themen Produktsicherheit und „Clean Labeling“ genauso diskutiert wie über die durch die Digitalisierung ausgelösten Veränderungen in der Produktion.

 

Reinräume als Food-Standards?

Michael Mohr, Leitung Engineering Life Sciences & Foodtec schülke, eröffnete die diesjährige Vortragsreihe. Unter dem Titel „Reinräume, werden Pharma-Standards jetzt auch Food-Standards?“ beschäftigte sich der Chemieingenieur und Spezialist für Raumbegasung und Devon-Service mit den Anwendungsgebieten von Reinräumen in der Lebensmittelindustrie. Nach einer Definition von Reinräumen, ihrer Anwendungsgebiete und technischen Voraussetzungen sprach Michael Mohr über die Reinraumklassen, den Eintrag von Keimen sowie die praktische Herstellung des Status eines Reinraumes. „Die Verwendung von H2O2-Dampf ist dank des zusätzlichen Schutzes vor Keimen und Toxinen ein Verfahren mit beachtenswerten Vorteilen wie eines weniger starken oder späteren Verderbs und einer längeren Haltbarkeit von Lebensmitteln“, so das Fazit von Mohr.

 

Wie sicher ist sicher global gesehen?

Dr. Gero Beckmann, Institut Romeis Bad Kissingen, folgte mit seinem Vortrag zum Thema „Food defense und Produktsicherheit im Lichte (globaler) mikrobiologischer Gefahrenlagen“. Der Autor, Forscher und Fachtierarzt für Mikrobiologie leitet seit 2009 die Abteilung Hygiene im Institut Romeis und hat sich auf die Beratung zu mikrobiologisch-technisch-hygienischen Themen, Schulungen, Risikobewertungen und mikrobiologischer Qualitätskontrolle spezialisiert. Ausgehend von der Fallbeschreibung einer Ebola-Epidemie erläuterte Dr. Beckmann die Chancen eines Krisenmanagements, das Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit integriert. Weltweite und teilweise unübersichtliche Warenketten erschweren diese Prozesse, ebenso typische Vermehrungskonstellationen, unterschiedliche Normen und Standards sowie eine oft subjektive und daher fälschliche Risikowahrnehmung, so seine Einschätzung.

 

Industrie 4.0 dank mehr Automatisierung

Zu einer praxisnahen Fallanalyse lud der Vortrag von Andreas Seydelmann unter dem Motto „Industrie 4.0 in der Fleischverarbeitung  - Integration und Automatisierung von Maschinen“ ein. Die Maschinenfabrik Seydelmann ist in sechster Generation in Familienbesitz und hat alle wichtigen industriellen Entwicklungsprozesse miterlebt. Seydelmann skizierte den Weg von der Industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Industrie 4.0 mit Cyber physischen Systemen (CPS). „Industrie 4.0 zeichnet sich durch die digitalisierte Vernetzung von Produktionskomponenten in Echtzeit aus. Es ist die vierte industrielle Revolution nach der Mechanisierung, Industrialisierung und Automatisierung“, erklärte er. Als Vorteile der Verzahnung von Produktion und Informations- und Kommunikationstechnik nannte Seydelmann die „Smart Factory“ mit einem hohen Automatisierungs- und Standardisierungsgrad sowie einer Optimierung in Echtzeit.

 

Clean Labeling 

Der Vortrag von Prof. Dr. Frederike Reimold, Professorin für Lebensmitteltechnologie tierischer Erzeugnisse mit dem Schwerpunkt auf Fleischtechnologie an der Hochschule Bremerhaven, war mit dem Titel „Clean Labeling und Claims bei Fleischprodukten“ überschrieben. Zunächst fragte ihre Präsentation nach Intention, Zielsetzung und Umsetzung von Clean Labeling und Claims. Ihre Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass mit dem Thema Clean Labeling oft geschickt getrickst, genauso oft aber auch positive Ergebnisse wie eine Technologieänderung, bessere Zuchtbedingungen und ein nachhaltigerer Umgang mit Rohstoffen erreicht werden kann. Claims erachtet Prof. Reimold für sinnvoll, wenn es sich um gute Zutaten handelt, keine zusätzlichen Zusatzstoffe eingebracht werden sowie die Qualität nicht darunter leidet.

 

Ein Blick in die Zukunft

Prof. Dr. Andreas Syska, Professor für Produktionsmanagement Hochschule Niederrhein, wagte in seinem Vortrag „Produktion 2040“ ein Experiment. Er lud alle Zuhörer zu einer Zeitreise in das Jahr 2040 ein, unter der Voraussetzung, dass sie seit 2017 in einer Art Tiefschlaf verharrt hatten. Das Szenario, das Prof. Syska entwarf, integrierte Entwicklungen und Prozesse in diversen Lebensbereichen, angefangen von medizinischen Fortschritten, über technologische Entwicklungen und neue Sprachsysteme bis hin zu gesellschaftlichen Sektoren. Diese Zukunftsvision war zugleich aufschlussreich, was gegenwärtige Entwicklungen und Herausforderungen angeht.

 

Fazit 2. food club

Mit dem food club hat Air Liquide 2016 eine neue Netzwerktagung ins Leben gerufen. Entstanden ist das neue Format in Kooperation mit dem Tochterunternehmen schülke, welcher zuvor bereits den pharma club etabliert hatte. Der food club ist das Pendant für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie und fungiert sowohl als fachspezifische Netzwerktagung als auch als anspruchsvolles Expertenforum. Das Event widmet sich mit Unterstützung erstklassiger Referenten aktuellen Themen der Branche und bietet den perfekten Rahmen für einen aktiven Erfahrungsaustausch und die Entwicklung praxisorientierter Lösungsansätze. Der nächste food club findet im September 2018 statt. Mehr Informationen unter www.food-club.de

Quelle: Veröffentlicht in Lebensmitteltechnik Ausgabe 12/2017 (www.lebensmitteltechnik-online.de)