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Neues von Air Liquide

thyssenkrupp setzt auf Wasserstoff im Hochofen

Dienstag 16 Apr 17:25 - Industrie

Das ist (r)evolutionär: Wasserstoff statt Kohle. Im Hochofen. Air Liquide ist Partner für ein bahnbrechendes Wasserstoffprojekt am größten europäischen Stahl-Standort - bei thyssenkrupp Steel in Duisburg. Den Startschuss gab NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart am Montag.

Eine klimafreundliche Stahlerzeugung, modern und energieeffizient - das ist das langfristige Ziel von thyssenkrupp Steel, dem weltweit führenden Anbieter von Qualitätsflachstahl. Und diesen Weg geht Air Liquide nun mit, indem es den größten deutschen Stahlhersteller durch die Lieferung von Wasserstoff unterstützt. Das BFI, gemeinnütziges Forschungsinstitut im VDEh, begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Das Wasserstoffprojekt am Hochofen ist das erste, das im Kontext von IN4climate.NRW, einer Initiative der NRW-Landesregierung, gefördert wird. Andreas Pinkwart übergab am Montag den ersten Förderbescheid im Rahmen dieser Initiative, um die umfassende Transformation des Standortes hin zu einer klimafreundlichen Stahlproduktion weiter voranzutreiben:

„Um ambitionierten Klimaschutz mit einer auch in Zukunft global wettbewerbsfähigen Industrie zu erreichen, muss es Innovationen bei industriellen und energieintensiven Prozessen wie der Stahlherstellung geben”, betonte Pinkwart am Montag.

„Das Pilotprojekt zeigt, dass unsere Initiative IN4climate.NRW bereits erste Früchte trägt. Ich bin froh, dass wir thyssenkrupp Steel, Air Liquide und das BFI hier als innovative Partner an unserer Seite haben.“

Wasserstoff als Schlüsseltechnologie

Das Wasserstoffprojekt am Hochofen beschreitet einen wichtigen Technologiepfad. Dabei wird vermieden, dass schädliche Treibhausgase überhaupt erst entstehen. Der Kohlenstaub, der als Reduktionsmittel im Hochofen zum Einsatz kommt, wird anteilig durch das Einlassen von Wasserstoff ersetzt.

Air Liquide, Projektpartner für das nun beginnende Wasserstoffprojekt bei thyssenkrupp Steel, verfügt über Expertise in der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette von der Produktion über die Speicherung bis hin zur Entwicklung von Endverbraucheranwendungen. Gilles Le Van, Vorsitzender der Geschäftsführung von Air Liquide Deutschland, freut sich über das Vorhaben im Testbetrieb - und später im größeren Maßstab:

„Hier in Duisburg wird nun ein bedeutendes Kapitel der industriellen Entwicklung aufgeschlagen: die schrittweise und nachhaltige Dekarbonisierung der Stahlerzeugung. [...] thyssenkrupp Steel stellt wiederholt unter Beweis, wie eine innovative Industrie erfolgreich mit Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz einhergehen kann.”

Schritt für Schritt

In der ersten Projektphase im Sommer 2019 wird zunächst der Einsatz von Wasserstoff an einer von 28 Blasformen eines Hochofens erprobt. Hierbei wird analysiert, wie sich das Zusammenspiel von Wasserstoff bei hohen Temperaturen verhält und das technisch Machbare ausgelotet. Die Versorgung mit Wasserstoff erfolgt per Trailer.

„Das ist ein Novum und so bislang in der Industrie noch nicht umgesetzt worden“, erläutert Dr. Arnd Köfler, Produktionsvorstand von thyssenkrupp Steel Europe. Ist die erste Testphase erfolgreich, so werden in der zweiten Phase alle 28 Blasformen mit Wasserstoff-Düsen ausgerüstet. Im besten Falle könnte an dieser Stelle des Produktionsprozesses ein Einsparpotenzial von rund 20 Prozent CO2 erzielt werden.

„Unser Ziel ist eine nahezu CO2-neutrale Stahlerzeugung. Dies wird ein langer und kostenintensiver Prozess, auf dem wir heute einen weiteren Schritt vorangehen“,

ergänzt Köfler.

thyssenkrupp plant, die anfallenden CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu verringern. Der Standort produziert 10 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Bis 2050 sollen dazu rund 10 Milliarden Euro investiert werden.

Wasserstoff: Schlüssel zu einer klimafreundlichen Zukunft

Aufgrund seiner Vielseitigkeit spielt Wasserstoff eine Schlüsselrolle beim Übergang zu einem sauberen, kohlenstoffarmen Energiesystem. Er ist ein zentraler Treiber für die Erreichung von Klimaambitionen, da er am Einsatzort keine klimaschädlichen Emissionen verursacht. Er kann in flüssiger oder gasförmiger Form mit hoher Energiedichte gespeichert und transportiert werden und bietet so viele Einsatzmöglichkeiten. In der Stahlherstellung kann Wasserstoff als emissionsfreies Reduktionsmittel für das Eisenerz verwendet werden.

Über IN4climate.NRW
Mit der Initiative „IN4climate.NRW“ unterstützt die Landesregierung die notwendigen Transformationsprozesse in der Industrie. Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten derzeit an Strategien und Lösungen, wie die Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten, zusätzliches Wachstum erzeugen und zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele beitragen kann.

V.l.n.r.: Michael Hensmann (BFI), Robert Van Nielen (Geschäftsführer Large Industries Air Liquide), Premal Desai (Finanzvorstand thyssenkrupp Steel Europe), Prof. Dr. Andreas Pinkwart (NRW-Wirtschafts- und Digitalminister), Dr. Arnd Köfler (Technikvorstand thyssenkrupp Steel), Gilles Le Van, Vorsitzender der Geschäftsführung von Air Liquide (Copyright: thyssenkrupp) 

Tags: Energiewende Nachhaltigkeit